DE-Wie Essen seine schwere industrielle Vergangenheit überwunden hat und zu einem Modell für Nachhaltigkeit geworden ist

Städte zu umweltfreundlichen und lebenswürdigen Orten für ihre Einwohner zu machen, ist eine Herausforderung, mit der Politiker und lokale Behörden sehr vertraut sind. Die gute Nachricht ist, dass es zahlreiche inspirierende und finanzierbare Beispiele gibt, denen man folgen kann. Nehmen Sie die Stadt Essen in Nordrhein-Westfalen als Beispiel. Diese ehemalige industrielle Hochburg bietet ein Modell für strukturelle Veränderung, auf das jeder städtische Administrator zugreifen kann, der Nachhaltigkeit fördern will und dazu bereit ist, sich dafür intelligenter Technologien zu bedienen.

Im Laufe der letzten Jahrzehnte hat sich Essen von einer Stadt der Kohlegruben und Stahlwerke in die drittgrünste Stadt Deutschlands verwandelt. Wie? Indem es mit Partnern zusammengearbeitet hat, um ein hochgradig reproduzierbares, integriertes Umweltmanagementsystem zu implementieren, für das es eine begehrte Auszeichnung erhalten hat. Lesen Sie weiter, um herauszufinden, wie diese große Stadt eine erfolgreiche Strategie implementiert hat, um eine Umweltvision umzusetzen, die nicht nur das Leben der Bürger verbessert, sondern auch wirtschaftliches Wachstum generiert. (Artikel auf Englisch verfügbar)


Wasser. Diese wertvolle Ressource steht im Mittelpunkt von Essens Pfad zur nachhaltigen Entwicklung und transformierte nicht nur die Stadt, sondern das gesamte Ruhrgebiet. Mit Hilfe eines innovativen Wassermanagementsystems und der Förderung von grüner Infrastruktur, demonstriert Essen, wie ökologisches, wirtschaftliches und soziales Wachstum Hand in Hand gehen können. Und die Vorteile sind vielfältig. Die Natur und Biodiversität sind besser geschützt und die Anzahl der städtischen Grünzonen hat zugenommen. Die Energieeffizienz hat sich verbessert – und mit ihr auch die Qualität der Atemluft. CO2-Ausstöße haben abgenommen, während die Zahl neuer, grüner Jobs zunehmend wächst.

Eine hochtechnologische Erneuerung

Durch den nördlichen Teil der Stadt fließt der Fluss Emscher. Einst war er der meistverschmutzte Fluss Europas, doch nun hat er sich auf wundersame Weise gewandelt – zum Teil dank der wertvollen Zusammenarbeit mit einer Reihe von Unternehmenspartnern. Es wurden 230 Kilometer an Abwasserkanälen gebaut, 90 Kilometer an Wasserwegen wurden konvertiert und mit 15 000 vorgepressten Kanalrohren wurde der "Emscherschnellweg unter Tage" gebaut. Obwohl der Abschluss der vollständigen Konvertierung für 2020 geplant ist, hat die Renaturalisierung des Gewässers bereits zu einer signifikanten Verbesserung der Wasserqualität geführt, dank der sogar Fische angefangen haben, wieder zum Fluss zurückzukehren.

Aber nicht nur der Fluss hat sich verändert. Essen hat ein innovatives intelligentes Wassermanagementsystem entworfen und implementiert, das dabei hilft, große Herausforderungen zu überwinden, vor denen alle Städte stehen – nicht zuletzt in Bezug auf die Kosten von Wasserinfrastruktur und die Mängel und die Sauberkeit der Wasserversorgung. Im "Readiness Guide" des Smart Cities Council finden Sie Werkzeuge, die ähnliche intelligente Technologien einsetzen, um eine rentable und nachhaltige Wasserversorgung zu gewährleisten. Für Essen bedeutet die Nutzung von multifunktionalen Grünzonen für Regenwassermanagement, Flutvermeidung und Grundwasseraufstockung, dass die Stadt auf einem guten Weg ist, bis 2020 eine Regenwasserentkopplung von 15% zu erreichen.

Bürger und Teilhaber an Bord

Eine Stadt ist nicht intelligent, weil sie Technologie einsetzt. Eine Stadt ist intelligent, weil sie Technologie einsetzt, um das Leben ihrer Bürger besser zu machen und ihnen zu helfen, die Hoffnungen und Träume zu erfüllen, die sie für den Ort hegen, den sie der zukünftigen Generation hinterlassen möchten. Sie können mehr über die Rolle von Technologie im "Readiness Guide" erfahren.

Von Anfang an engagierte Essen seine Einwohner und Interessensgruppen in der Entwicklung einer Vision für umweltfreundliches urbanes Wohnen. Durch zwei Aufrufe zu Vorschlägen, boten die Bürger unterschiedliche Projekte an, von denen 200 momentan finanziert werden. In Teil dank der Regeneration von Brachflächen, können die 600 000 Einwohner der Stadt nun 300 km an Fahrradwegen und eine Reihe an hochwertigen Erholungsräumen nutzen.

Messbare Resultate, die europaweit anerkannt sind

In Anerkennung seiner Erfolge erhielt Essen 2017 den European Green Capital Award. Durch die Demonstration ihrer Evolution – von der Vision zur Durchführung mit Hilfe eines strategischen Plans – konnte die Stadt die Jury mit Resultaten in den Bereichen Klimawandel, urbane Grünzonen, Atemluftqualität, Abfallmanagement und Energieeffizienz überzeugen. Der Readiness Guide kann Städten dabei helfen, diese Evolution in überschaubare Schritte zu gliedern, um ähnliche Resultate zu erreichen.

Essen demonstrierte außerdem seine zukunftsorientierten Pläne für ein umweltfreundliches städtisches Umfeld, das "zum Leben geeignet" sein soll. Die Erschaffung von Jobs ist ein integraler Bestandteil dieser fortlaufenden Transformation, wobei die Stadt sich selbst das Ziel gesetzt hat, bis 2035 insgesamt 20 000 neue grüne Jobs zu generieren. Da der globale Markt für umweltfreundliche Industrien bis 2020 schätzungsweise 2 Trillionen Euro erreichen soll, erscheint dieses ambitionierte Ziel durchaus erreichbar. Mit einer solchen Auswahl an konkreten Erfolgen, bietet Essen ein nützliches Modell für andere europäische Städte, die gewillt sind, sich einer Transformation für eine nachhaltigere Zukunft zu unterziehen. Und das Smart Cities Council bietet einen Schritt-für-Schritt "Readiness Guide", um diese Städte dabei zu unterstützen.